16 BLOCKS

Der in die Jahre gekommene Cop Jack Mosley soll einen Zeugen die 16 Blocks vom Polizeirevier zum Gerichtsgebäude überstellen. Doch der vermeintliche Routineauftrag erweist sich als schwieriger als erwartet.

Dass man an einem Tatort nichts anfassen darf, um keine Spuren zu verwischen, darf als allgemein bekannt vorausgesetzt werden. Ein Polizist muss deshalb schon sehr tief gesunken sein, wenn seine Kollegen es für ratsam halten, ihn an diese Grundregel zu erinnern. So ergeht es Jack Mosley (Bruce Willis), als er in der Anfangssequenz von 16 BLOCKS damit beauftragt wird, einen Tatort zu bewachen. Und wenn dieser Cop nach einer Nachtschicht einen weiteren dienstlichen Auftrag mit dem Argument abzuwehren versucht, er sei dafür einfach zu müde, wird schnell deutlich, dass Jack in jeder Hinsicht ausgebrannt ist.

Die Figur des abgehalfterten, lebensmüden Polizisten ist nicht neu und mag beispielsweise Mel Gibsons Rolle in LETHAL WEAPON in Erinnerung rufen ­ zumal auch in diesem von Richard Donner inszeniertem Film der weiße Protagonist ebenfalls einen afroamerikanischen Partner an die Seite gestellt bekommt. Doch Eddie, der Zeuge, den Jack zu einem Gerichtstermin begleiten soll, wird von Mos Def derart outrierend gespielt, dass der Kleinkriminelle bald nicht nur Jack gehörig auf die Nerven geht. Doch diese Begegnung schafft freilich die Bedingung für eine erste virtuose Actionszene, in der Regisseur Donner ebenso präzise wie unprätentiös den Zeitfluss zu manipulieren versteht. Denn von Eddies geplanter Zeugenaussage hängt die Anklageerhebung in einem Korruptionsprozess ab, der zahlreiche Polizisten betreffen würde, weshalb Jack seinen Gefangenen auf der kurzen Strecke zum Gericht, die bloß die titelgebenden 16 Blocks umfasst, unentwegt vor Attacken seiner Kollegen beschützen muss.

Doch aus der Übereinstimmung, dass die verbleibende Filmdauer genau jener Zeitspanne entspricht, die bis zum Gerichtstermin bleibt, zieht 16 BLOCKS zu wenig Nutzen. Dabei übersetzt Glen MacPherson visuelle Gestaltung den Spießrutenlauf durch Manhattan in angemessen nervöse, eng begrenzte Handkamerabilder. Und weil Donners Inszenierung noch die eine oder andere souveräne Actionsequenz, deren perfektes Timing besonders besticht, beinhaltet, mag man diesem Film letztlich auch die berechenbare Konventionalität des Plots doch ein wenig nachsehen.
Holger Römers

16 BLOCKS
Action, USA 2006
Regie
Richard Donner
Drehbuch Richard Wenk
Kamera Glen MacPherson
Schnitt Steve Mirkovich
Musik Klaus Badelt
Production Design Arvinder Grewal
Kostüm Vicki Graef
Darsteller Bruce Willis, Mos Def, David Morse, Jenna Stern, Casey Sander
Verleih Warner Bros.,
105 Minuten www2.warnerbros.com/16blocks/