Text ~ Lukas Maurer
Seit 2004 ist Ljubljana, eine Stadt mit spürbarer Affinität zu progressiver Kunst, um eine Attraktion reicher. Zum nunmehr dritten Mal fand dort im Dezember 06 das internationale Animationsfilmfestival Animateka statt. Ein (noch) kleines, aber dafür mit viel Enthusiasmus und Professionalität betriebenes Festival, das es sich zur hehren Aufgabe gemacht hat, das florierende Trickfilmschaffen Osteuropas näher an das internationale Geschehen am Animationssektor, der nach wie vor von Ländern wie Kanada, Deutschland, Frankreich oder England dominiert wird, heranzuführen. So will denn auch Festivaldirektor Igor Prassel, langjähriger Co-Herausgeber des legendären Comic-Fanzines „Stripburger“ und unermüdlicher Vermittler des innovativen Animationsfilms, Animateka als eine Bühne für Input und Output verschiedener Länder und Generationen verstanden wissen, als eine kreative Konfrontation arrivierter Künstler(innen) mit jungen Filmemacher(inne)n und umgekehrt.
Da lassen sich Arbeiten, wie die in ihrer aquarellartigen Textur und impressionistischen Soundkulisse überaus fesselnde Kinderfantasie BUSRIDE AND FLOWERS IN HER HAIR des Filmstudenten Asaf Agranat ebenso entdecken wie der oscarprämierte Puppen-Trickfilm QUEST von Thomas Stellmach wieder sehen, ein zeitlos-existentialistisches Monodrama rund um einen „Sandmann“ in der Wüste. Da bietet sich in dem von US-Animationsfilm-auteur Pat Smith kuratierten Programm „New York Independent Animation“ eine umfassende Gelegenheit, sich die stilistischen und thematischen Unterschiede zwischen Amerika und (im Fall von Animateka 06) Europa vor Augen zu führen. Wo hand-drawn cartoons von Kalibern wie Bill Plympton oder John R. Dilworth vor allem in ihrem zumeist von anarchischer Freude unterfütterten character design mitreißenden Pop-Appeal besitzen, glänzen die Filme europäischer Kollegen mehrheitlich durch Begeisterung für das ästhetische Experiment, durch ein vielschichtiges Spiel mit Formen, Farben, Techniken, welches dem reinen Unterhaltungsprinzip nicht minder geschuldet ist als dem gesellschaftspolitischen Mehrwert.
VON PROKOFIEV BIS SOUTHPARK
Herzstück des Festivals ist freilich der Wettbewerb, der, so will es die programmatische Ausrichtung, sich ausschließlich der animated short Filmproduktion aus Ost- und Mitteleuropa widmet allerdings muss sich hier das Wettbewerbsprofil noch schärfen, da noch immer nicht ganz klar ist, welche mitteleuropäischen Länder tatsächlich „teilnahmeberechtigt“ sind. Aus Österreich kamen dieses Mal drei Beiträge: BAD BOY, das jüngste Werk des Wiener Minimalisten Nicolas Mahler, die Digitalbildreflexion INT.16/54//SONO01/30X1 der Computerkünstlerin lia, sowie die Opern-Groteske SALOME IN LOWLAND von Christian Zagler, eine launige, in seinem Witz sich selbst genügende Zusammenführung von Southpark, Videospiel, Richard Strauss und Oscar Wilde.
Zu den beeindruckendsten Filmen in diesem Jahr zählten das polnische Schauermärchen CHILDREN LIKE TEDDYBEARS (Regie: Marta Stróz_cka), eine klassische Puppenanimation, die das Verhältnis von Kind und Teddy einer suggestiven Neubetrachtung unterzieht, als auch die ebenfalls puppenanimierte, unter dem Eindruck des Jugoslawienkrieges entstandene Polit-Allegorie SOLDAT aus Kroatien (Regie: David Peros-Bonnot), in der es zu einer unheilvollen Begegnung zwischen der Zivilgesellschaft und einer traumatisierten Kriegerstatue kommt. Der Hauptpreis schließlich ging an PLAY, eine Arbeit des arrivierten, weltweit viel beachteten Schweizer Trickfilmkünstlers Georges Schwizgebel, der mit seiner virtuosen Bild-Interpretation des Scherzos von Prokofievs Klavierkonzert Nr. 2 bereits auf namhaften Animationsfilmfestivals wie Ottawa, Hiroshima oder Leipzig für Furore sorgte.
Angesichts der Fülle an herausragenden Arbeiten, die bei Animateka 06 geboten wurde, bleibt aus heimischer Sicht allein die Frage: Wie lange muss ein internationales Animationsfilmfestival in Österreich noch auf sich warten lassen?
Weblink: www.animatekafestival.org