UND AUSSERDEM …

The Hurt Locker, Mel Gibson als Racheengel und
alpinistische Historie. Der Rest des Kinomonats.

Text ~ Jörg Schiffauer

Es bleibt wohl eines der großen Geheimnisse der Verleihpolitik, warum es The Hurt Locker im vergangenen Jahr – trotz mehrmaliger Ankündigung – schließlich doch nicht auf den Spielplan der österreichischen Kinos geschafft hat. An der Qualität des Films kann es mit Sicherheit nicht liegen, denn Kathryn Bigelow hat anhand eines Bombenentschärfungskommandos eine ebenso brillante wie beklemmende Studie über den Irrsinn, den die Truppe im Verlauf ihres Einsatzes im Irak-Kriegs täglich begegnet, meisterhaft in Szene gesetzt. Weltweit durchgehend enthusiastische Kritiken, eine Reihe von Auszeichnungen und schließlich nicht weniger als neun Oscar-Nominierungen haben offenbar auch hierzulande ein spätes Umdenken bewirkt, dankenswerterweise bietet das Stadtkino Wien ab 11. März nun doch die Gelegenheit, The Hurt Locker zu sehen. „ray“ hat dem Film übrigens schon in der Ausgabe Juli 2009 mit einem ausführlichen Beitrag den ihm zustehenden Platz eingeräumt, diesen Text sowie ein Interview mit Kathryn Bigelow finden Sie auf unserer Website.

Mel Gibson hat in jüngerer Vergangenheit die Schauspielerei zugunsten seiner Regiekarriere hintangestellt, mit Auftrag Rache (Edge of Darkness, Thimfilm, 12. März) agiert Gibson nach längerer Pause wieder einmal vor der Kamera. Dabei spielt er den in Mordfällen erfahrenen Polizisten Thomas Craven, dessen Tochter einem Anschlag zum Opfer fällt. Als sich bei der Autopsie zeigt, dass der Körper seiner Tochter radioaktiv verseucht war, beginnt Craven zu ermitteln, und schon bald stößt er auf ein Geflecht von Korruption und Verschwörungen bis in höchste Regierungskreise, das seiner Tochter offenbar zum Verhängnis wurde. Bald sieht sich der Cop bei dem Versuch, die Sache aufzuklären, ganz auf sich allein gestellt, was ihn jedoch keineswegs von seinem unerbittlichen Rachefeldzug abhält. Inszeniert hat den Thriller Martin Campbell, der mit Casino Royale immerhin den besten James-Bond-Film seit etwa dreißig Jahren abgeliefert hat.

Der Bergfilm erlebt in den letzten Jahren ein eher unerwartetes Comeback, ein Trend dem der Dokumentarfilm Zum dritten Pol (Filmladen, 12. März) Rechnung trägt. Die Regisseure Andreas Nickel und Jürgen Czwienk beleuchten dabei die Geschichte des Bergsteigers und Filmpioniers Günter O. Dyhrenfurth, der gemeinsam mit seiner Frau Hettie bereits in den Dreißiger Jahren etliche Aufsehen erregende Erstbesteigungen im Himalaya durchführte und dafür bei den Olympischen Spielen von Berlin 1936 mit einer Goldmedaille für Alpinismus ausgezeichnet wurde – sehr zum Ärger der Nationalsozialisten, war das Ehepaar doch jüdischstämmig.

Blind Side – Die große Chance (The Blind Side, Warner Bros., 26. März) beruht auf der unglaublichen, aber wahren Geschichte des Michael Oher, der es vom obdachlosen Teenager zum Football-Profi brachte. Ebenfalls am 26. März läuft die auf George Taboris Theaterstück basierende Groteske Mein Kampf (Filmladen) mit Götz George in der Hauptrolle an. Zu beiden Filmen jedoch mehr in der nächsten Ausgabe.