Gespannter Blick nach Osten
Das neue LET’S CEE Film Festival in Wien bietet nicht nur zahlreiche cineastische Highlights, sondern lockt auch eine Reihe interessanter Festivalgäste an.
Mit Agnieszka Hollands jüngstem, für einen Oscar nominierten Meisterwerk In Darkness – Eine wahre Geschichte startet am 28. Mai in der Wiener Urania in Anwesenheit der prominenten Regisseurin das erste LET’S CEE Film Festival, in dessen Rahmen eine Woche lang eine Auswahl der besten Spiel- und Dokumentarfilme aus Zentral- und Osteuropa zu sehen sind.
Aktuelle Arthouse-Filme, Kassenschlager sowie Klassiker verschiedenster Genres – allesamt in Originalfassung mit englischen oder deutschen Untertiteln bzw. in deutscher Synchronfassung. Das Konzept, mit dem die Festivaldirektorin Magdalena Zelasko die zahlreichen in Wien lebenden Migrantinnen und Migranten aus dem CEE-Raum sowie kinobegeisterte Österreicher ansprechen will, ist unmissverständlich und beinhaltet auch, dass man möglichst viele Erstaufführungen zeigt.
14 Filme im Wettbewerb
Sowohl das Team um Mercedes Echerer, das den Spielfilm-Wettbewerb kuratiert, als auch die kroatisch-niederländische Filmemacherin und Dozentin Rada Sesic, die für den Dokumentarfilm-Wettbewerb verantwortlich zeichnet, zeigen einzig und allein Produktionen, die hierzulande noch nicht zu sehen waren. In der Feature Film Competition laufen insgesamt sechs Filme, darunter Slava Ross’ viel beachtete zweite Kino-Regiearbeit Siberia, Monamour aus Russland, die tragische und von wahren Ereignissen inspirierte Geschichte rund um die Ermordung eines homosexuellen Sohnes durch seinen Vater, Zenne – Dancer aus der Türkei (Regie: M. Caner Alper und Mehmet Binay) und Radu Judes intensive Studie über den Albtraum Familie, Everybody In Our Family aus Rumänien.
Im Dokumentarfilm-Wettbewerb sind acht Werke aus ebenso vielen Ländern vertreten; so etwa Goran Radovanovic’ serbisch-kubanische Koproduktion With Fidel Whatever Happens, ein ebenso lyrisches wie lakonisches Porträt der heutigen Wirklichkeit im sozialistischen Inselstaat, oder Stefan Valdobrevs wahnwitzige und unterhaltsame Identitätssuche eines Fußballverrückten, My Mate Manchester United aus Bulgarien, und das nicht weniger schräge 33 Animals Of Santa Claus der Lettin Laila Pakalnina über die mehr als ausgeprägte Tierliebe einer alleinstehenden älteren Dame. Die Sieger beider Wettbewerbe werden mit der vom österreichischen Künstler Tone Fink gestalteten „Urania“ ausgezeichnet und Geldpreise erhalten.
Weitere Programm-Schwerpunkte
Jan Sveráks Ode an die Fantasie, Kooky, Greg Zglinskis Psychothriller Courage und das irritierende Drama Look, Stranger von Arielle Javitch zählen zu jenen Spielfilmen, die im Rahmen eigener Programmschienen gezeigt werden. Ebenso der sarkastische Doku-Klassiker Disco and Atomic War, der davon handelt, wie Dallas, Knight Rider und Co zum Untergang der Sowjetunion beigetragen haben – zu sehen im Rahmen eines estnischen Schwerpunkts. Oder Pjer Zalicas intime Zeitreise Orchestra über die lange Karriere der legendären Band aus Sarajevo, die im Rahmen einer Reihe von Musikfilmen aus Südosteuropa vorgeführt wird. Erstmals in Österreich zu sehen ist, neben einer Reihe weiterer Highlights der Filmkunst, auch das im Schulkino laufende und viel gelobte Roadmovie Tomorrow Will Be Better der polnischen Drehbuchautorin und Regisseurin Dorota Kedzierzawska.
Gästeliste
Dass die Idee hinter dem LET’S CEE Film Festival bei den osteuropäischen Filmschaffenden auf Zustimmung gestoßen ist, zeigt ein Blick auf die Liste der internationalen Gäste des Festivals. Da finden sich rund 30 Namen von Regisseuren, Drehbuchautoren, Produzenten, Kritikern und Schauspielern, die allen Filmfreunden nach den Vorführungen, im Rahmen von Workshops beziehungsweise bei einem Filmsymposium für Fragen zur Verfügung stehen werden. Neben einigen viel versprechenden Newcomern und einer Riege arrivierter Filmleute werden auch ein paar echte Branchengrößen Wien in ein paar Wochen einen einschlägigen Besuch abstatten: etwa die in Rumänien geborene und in London lebende Ausnahme-Schauspielerin Anamaria Marinca, der legendäre bosnische Musiker Sasa Losic und, aller Voraussicht nach, auch der erfolgreichste Regisseur Tschechiens der letzten Jahrzehnte, der schon erwähnte Jan Sverák.
Let’s CEE Film Festival
28. Mai bis 3. Juni
Urania Uraniastraße 1, 1010 Wien
Apollo Kino Gumpendorferstraße 63, 1060 Wien
www.letsceefilmfestival.com
Tickets und Festivalorte
Karten für alle Filme sind auf www.letsceefilmfestival.com und bei oeticket.com erhältlich. In der Festivalwoche wird es natürlich auch Tickets an den Abendkassen der Festival-Kinos Urania und Apollo geben. Zu den Festival-Locations gehören auch die beliebte Strandbar Herrmann bei der Urania und der Ost-Klub. An diesen beiden Orten stehen Diskussionen, Vorträge, Konzerte und sonstige Veranstaltungen auf dem Programm. Man kann sich dort aber selbstverständlich auch von den Strapazen eines einwöchigen Festivals ausruhen bzw. neue Kräfte sammeln.


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