Harte Kost
56. Internationales Filmfestival Valladolid
Valladolid, zwei Autostunden nordwestlich von Madrid, ist eine schöne, geschichtsträchtige Stadt. Geschichtsträchtig ist auch das dortige Filmfestival, die Semana Internacional de Cine (Seminci), die dieses Jahr bereits ihre 56. Ausgabe erlebte. Der Wettbewerb präsentierte sich als Mischung aus ganz Interessantem (wie dem späteren belgischen Siegerfilm Hasta la vista von Geoffrey Enthoven), gut Abgehangenem (Zhang Yimous Under the Hawthorn Tree zum Beispiel), Verblüffendem (verblüffend etwa, The Guard in einem Wettbewerb zu sehen) und anderswo Erprobtem (Dardennes, Guédiguian, Andrea Arnolds Wuthering Heights).
Filmisch aufschlussreicher war die Reihe „Meeting Point“, in dem nahezu ausschließlich Erstlingsfilme und zweite Arbeiten jüngerer Filmschaffender zu sehen waren. Hier ging der Hauptpreis an Rúnar Rúnarssons auch bei der Viennale gezeigtes tragisches Senioren-Drama Eldfjall (Volcano), mit mehrheitlich dänischem Geld in Island gedreht. Ein alter Mann erstickt seine nach einem Schlaganfall völlig unheilbare Ehefrau. Mit moralischen Fragen hält sich der Film nicht auf, er setzt ganz auf die Überzeugungskraft seines Protagonisten, der das Leiden der geliebten Frau nicht mitansehen kann. Im schwedischen The Quiet Game von Görel Crona geht es um Kindesmissbrauch, im dänischen Rebounce der gebürtigen Vorarlbergerin Heidi Maria Faisst um eine mehr als schwierige Mutter-Tochter-Beziehung.
Ein Talent, das sicher zu beobachten sein wird, ist die finnische Regisseurin Zaida Bergroth, deren The Good Son ein Versprechen darstellt. Hier geht es um das recht seltsame Verhältnis zwischen einer launischen Starschauspielerin und ihrem halbwüchsigen Sohn, der eifersüchtig über die Mutter wacht. Eine dysfunktionale Familie steht im Mittelpunkt des slowakisch-tschechischen Films The House von Zuzana Liová, ebenfalls ein gelungenes Beispiel eines Erstlingsfilms. Leichtere Kost war spärlich.

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