Internationales Kurzfilmfestival in Clermont-Ferrand 2012
Bereits zum 34. Mal präsentierte sich heuer vom 27. Jänner bis 4. Februar das internationale Kurzfilmfestival von Clermont-Ferrand in der zentralfranzösischen Region Auvergne, die durch Volvic, Vichy und Michelin Bekanntheit erlangte. Mit mehr als 143.000 Besuchern rangiert das Festival auf Platz zwei hinter Cannes, als Forum für Kurzfilme ist es weltweit die Nummer eins.
Den Schwerpunkt des Programms, das für alle Genres offen ist, bilden die „Compétition international“ (mit rund 70 Filmen), die „Compétition nationale“ (französische Filme) und die „Compétition Labo“, die sich dem „Experiment“ verschrieben hat, nicht selten aber lediglich dem technisch Avancierten huldigt. Als bester internationaler Kurzfilm ging Guest der jungen südkoreanischen Regisseurin Ga Eun Yoon hervor. Den Preis für den besten französischen Beitrag trug Ce qu’il restera de nous von Vincent Macaigne davon, ein vierzigminütiger Spielfilm, der die Auseinandersetzung zweier ungleicher Brüder um das väterliche Erbe thematisiert. Von den Siegerfilmen konnte allerdings nur Il Capo des Italieners Yuri Awcarani (Kategorie „Labo“) überzeugen, ein ruhiger Dokumentarfilm, dessen Schauplatz der Marmorsteinbruch von Carrara ist, wo der Vorarbeiter ein stummes Orchester von Baumaschinen mit präziser Zeichensprache dirigiert.
Abseits der ausgezeichneten Filme verdient die schwedisch-thailändische Koproduktion Killing the Chickens to Scare the Monkeys von Jens Assur Erwähnung, der erzählerisch innovativ in neun tableauartigen Szenen die Geschichte einer jungen thailändischen Lehrerin verhandelt, die ins Visier der Justiz gerät und hingerichtet wird. Neue Wege beschreitet auch La France qui se lève tôt von Hugo Chessnard, der das auf dem Festival sehr präsente Thema der Immigration in eine comédie musicale verpackt. Ein junger Immigrant aus Bamako, der seit Jahren in Frankreich illegal beschäftigt ist, soll per Flugzeug in seine Heimat abgeschoben werden und erhält unerwartet Unterstützung von einigen Passagieren, die sich mit ihm solidarisieren. Als „experimentell“ im besten Sinn präsentierte sich Meteor der renommierten deutschen Avantgardefilmer Matthias Müller und Christoph Girardet. In einer kleinteiligen Montage von found footage-Filmen unterschiedlicher Herkunft (Science Fiction, Märchen, Spielfilm) wird die Erlebens- und Vorstellungswelt eines Jungen entwickelt, die vom Kinderzimmer in einen künstlichen Kosmos führt.
Das heurige Gastland Kuba war in Clermont-Ferrand mit rund 40 Filmen vertreten, von denen die meisten erstmals in Europa gezeigt wurden. Weitere Spezialprogramme widmeten sich den Filmemachern des Oberhausener Manifests, den Kurzfilmproduktionen des französischen TV-Senders Canal+, dem frankophonen afrikanischen Kino und – nicht unoriginell – dem Thema „Insekten“ („Mouches et autres bestioles“). Ein Highlight stellte die Personale des kanadisch-bulgarischen Animationsfilmers Theodore Ushev dar, die im Doppelpack mit einer Schau der äußerst selten gezeigten Filme von Arthur Lipsett auftrat. Diesem nahezu vergessenen kanadischen Found-Footage-Künstler der 1960er Jahre ist auch eines der jüngsten Werke Ushevs gewidmet, Les journaux de Lipsett (2010). Ushev, bekannt durch seinen malerischen Animationsstil, greift hier, wie bereits in früheren Filmen, auf ein Kapitel Kunstgeschichte zurück, indem er die verlorenen Tagebücher Lipsetts frei rekonstruiert.




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