Im Tal der Tränen

International heiß begehrt, floppen österreichische Filme in den heimischen Kinos brutal. Über die Ursachen wird seit längerem heftig in der Branche diskutiert. Dabei – und bei Verteilungskämpfen – spaltete sich sogar der Produzentenverband. Ein Lösung ist vorerst nicht in Sicht.

 

Es ist schon verrückt. Da verkündet die Austrian Film Commission (AFC), dass sich österreichische Filme 2006 wieder hervorragend auf internationalen Festivals positioniert hätten. Zwölf Filme feierten ihre Premiere auf den wichtigsten Festivals der Welt, eine neue Rekordzahl an Einladungen sei zu verzeichnen. Die AFC stößt ob dieser Beliebtheit österreichischer Produktionen an die Grenzen ihrer Kapazität. Zugleich herrscht in Österreich Ratlosigkeit unter Produzenten, Förderern, Verleihern, was den Erfolg an den heimischen Kinokassen betrifft. Verschwindend geringe zwei Prozent des Publikums wollten sich 2006 einen Film „Made in Austria“ im Kino ansehen. Das heurige Jahr dürfte diese Marke noch unterschreiten. Wie aber ist es möglich, dass international begehrte Produktionen am heimischen Kinomarkt großteils floppen? Sollte es eine Frage des Marketing sein, das in Österreich versagt, sofern es überhaupt vorhanden ist? Liegt es an den nationalen Filmförderern, die eine falsche Stoßrichtung vorgeben und Projekte für ein breites Publikum zu wenig forcieren? Oder fehlen schlicht jene Produzenten, die sich darauf verstehen, simple oder auch große Geschichten – jedenfalls narratives Kino – zu realisieren?

Über die Ursachen dieser heimischen Box-Office-Tragödie wird in der Filmbranche bereits länger diskutiert. Teils so heftig, dass sich etwa der Verband österreichischer Filmproduzenten im April vergangenen Jahres gespalten hat. Neben dem Ringen um knappe Mittel spielte dafür vor allem auch die Frage nach der vorgeblichen Ausrichtung zwischen „elitärem“ Festival- und breitem Massenpublikum eine Rolle. Nach der Spaltung konstituierte sich die Film Austria – Vereinigung kreativer Filmproduzenten, um, ein erklärtes Ziel, den nationalen Marktanteil von zwei Prozent deutlich zu erhöhen – bisher freilich ohne markante Ergebnisse an den Kinokassen. Im Zuge dieser Auseinandersetzung spitzte sich aber auch die Kritik der Film-Austria-Produzenten an den zwei größten Förderinstitutionen des Landes, dem Österreichischen Filminstitut und dem Filmfonds Wien, zu. Besonders Helmut Grasser von der Allegro Film kritisierte Peter Zawrel im Vorfeld von dessen Vertragsverlängerung als Geschäftsführer des Filmfonds: Es würden zu viele Filme mit kleinen Budgets gefördert, die im Kinobetrieb keine Chance mehr auf Sichtbarkeit hätten. Zudem fordert Grasser neue Signale der Filmförderer, eine Konzentration auf erzählerische Spielfilme und das Ende von Jurys als Entscheidungsgremien. Stattdessen sollten fortan Intendanten, die sich nicht länger hinter der Jury „verstecken“ könnten, über Filmförderung entscheiden. Peter Zawrel hält dem entgegen, dass die Stoffentwicklung immer noch Aufgabe der Produzenten sei und die Filmförderung hier lediglich reaktiv steuern könne. Er stellt grundsätzlich die Frage, ob Österreich eine Filmnation sei, verteidigt die Jury als optimales Auswahl-instrument und verweist auf das Autorenkino, das in Österreich in den vergangenen Jahren – praktisch aus dem Nichts – international erfolgreich entwickelt werden konnte.



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