„Die Figur, die ich spiele, ist ein richtig übler Schurke“
Scarlett Johansson über ihre Rolle in „Iron Man 2“, ihre Zusammenarbeit mit Robert Downey Jr. und das Zusammentreffen mit eingefleischten Comic-Fans.
Bombshell Scarlett Johansson als Schwarze Witwe mit roten Haaren? Ein Schelm, wer dabei an Box-Office-Kalkulationen denkt. Die 25-jährige Hollywood-Actrice, die ihren Namen regelmäßig auf diversen „Sexiest Woman Alive“-Listen findet, wurde selbstverständlich einzig und allein wegen ihrer schauspielerischen Qualitäten für den Superhelden-Blockbuster Iron Man 2 ausgewählt. Als russische Geheimagentin erweitert sie die Beziehung zwischen dem Titelhelden, dem Playboy und Prothesenmann Tony Stark (Robert Downey Jr.), und dessen Assistentin Pepper Potts (Gwyneth Paltrow) zu einem flotten Dreier.
Im zweiten Teil des als Trilogie angelegten Comic-Spinoffs sind neben Johansson auch Mickey Rourke und Samuel L. Jackson mit von der Partie. Interessant daran sind freilich vor allem die viralen Marketingstrategien des Marvel-Studios, mit denen der Hype angeheizt werden soll. Näheres dazu beispielsweise unter www.slashfilm.com und allgemein zu neueren Marketingstrategien im Dossier ab Seite 68 in diesem Heft.
Wie sind Sie damit zurechtgekommen, bei Iron Man 2 einzusteigen und mit Robert Downey Jr. und Gwyneth Paltrow zusammenzuarbeiten, die ja schon beim ersten Teil mit dabei waren?
Das war schon eine Herausforderung für mich, besonders weil ich als großer Fan des ersten Films zu diesem Projekt gekommen bin. Als ich das erste Mal zum Set kam, war ich deswegen etwas nervös, aber 80 Prozent des Teams hatte schon am ersten Film mitgearbeitet, ich wurde also in so etwas wie eine große Familie aufgenommen. Im Verlauf der Dreharbeiten ist mir das ganze Projekt manchmal gigantisch erschienen, wie ein gewaltiges Epos, aber am Set herrschte eigentlich immer eine familiäre Stimmung. Ich schreibe das vor allem dem Einfluss von Regisseur Jon Favreau, Robert Downey und den Leuten von Marvel zu, die sich für eine familiäre Stimmung bei der Arbeit stark gemacht haben – ich wusste das sehr zu schätzen. Ich wurde wirklich von Anfang an mit offenen Armen in die Familie aufgenommen, ich habe mich niemals isoliert gefühlt.
Ihre Rolle in Iron Man 2 beinhaltet einige beeindruckende Auftritte in den Action-Sequenzen. Wie haben Sie sich darauf vorbereitet?
Wenn man derartige Action-Szenen macht, möchte man, dass beim Dreh alles ein wenig übertrieben erscheint. Wenn man jemanden schlägt, soll das so aussehen, als ob man diesen Typ gleichsam umhaut. Ich möchte, dass solche Szenen so echt und hart als möglich aussehen, schließlich soll man ja rüberbringen, dass man die Scheiße aus jemandem herausprügelt – solche Szenen müssen schon möglichst echt wirken.
Wenn ich dagegen eine dramatische Szene spiele, bevorzuge ich einen subtileren Ansatz. Ich versuche nicht, dem Publikum nur etwas vorzuspielen, da möchte ich schon vollständig glaubwürdig in meiner Rolle sein. Bei Actionszenen muss man sich sehr auf die technischen Abläufe konzentrieren, besonders wenn man die Stunts selbst macht, da braucht es schon einiges an Selbstvertrauen, um an solche Aufgaben heranzugehen. Bei dramatischen Szenen, die mir als Schauspielerin mehr abverlangen, geht man dagegen mehr in der Rolle auf, ich agiere dann auch instinktiver. Es sind fast zwei verschiedene Welten, auch wenn sich das vielleicht ein wenig merkwürdig anhören mag.
Was mögen Sie an Ihrer Rolle der Black Widow?
Eigentlich alles. Die tollen Kostüme, ihre wundervollen Haare, und vor allem ist sie ein richtiger Bösewicht. An dieser Figur gibt es wirklich nichts auszusetzen. Sie ist ein richtig übler Schurke. Es ist ja recht selten, dass man eine weibliche Figur dieser Art auf der Kinoleinwand sieht, die mit ihren Gegenspielern so hart umspringen darf.
Sehen Sie diesen Charakter als Bösewicht oder Heldin oder als irgendwie dazwischen?
Sie ist ehrgeizig und zielstrebig. Ich denke, mit einer Schwarz-Weiß-Kategorisierung kommt man da nicht weit. Sie ist ein geheimnisvoller Charakter, der durchaus wandelbar ist und mehrere Facetten aufweist.
War es physisch anstrengend, so eine Rolle zu spielen? Haben Sie dafür ein spezielles Training absolvieren müssen?
Habe ich gemacht. Ich fühle mich auch viel stärker als je zuvor, ich musste einiges an körperlicher Fitness aufbauen. Ich wollte möglichst viele Stunts selber machen, dafür muss man sich schon in Form bringen. Dafür habe ich neben einem speziellen Stunttraining auch jede Menge Kampftraining absolvieren müssen.
Hoffen sie darauf, dass Black Widow weitermachen darf?
Das hoffe ich sehr. Ich habe zwar noch keine Ahnung, in welcher Form das der Fall sein könnte, aber ich denke, dass noch eine Menge Geschichten mit dieser Figur erzählt werden können. Marvel investiert ja sehr viel in den Aufbau diese Charaktere, auch ich habe viel Arbeit in diese Rolle gesteckt. Da hofft man dann natürlich schon, dass die Fans diese Figur mögen und sie wieder sehen wollen. Wenn es also genügend Unterstützung durch die Fans gibt, werden wir Black Widow vermutlich wieder sehen.
Sind die Fans bei den großen Comic-Messen nicht auch manchmal ein wenig furchteinflößend mit ihrem Enthusiasmus?
Nein, überhaupt nicht, die Fans dort sind einfach großartig. Es war wirklich beeindruckend. Die Fragen, die man mir dort gestellt hat, waren lustig und immer sehr interessant. Es war sehr aufregend, eine Gruppe von Menschen zu treffen, die so viel Begeisterung aufbringen und es kaum erwarten können, den Film zu sehen. Ich fühle mich geehrt, dort dermaßen herzlich empfangen worden zu sein, das erlebt man nicht alle Tage.
Hatten Sie nicht manchmal Angst bei den Stunts, die Sie selbst gemacht haben? Welcher davon hat den meisten Eindruck bei Ihnen hinterlassen?
Die Figur, die ich spiele, ist Spezialistin im Nahkampf ohne Waffen, eine Form von Mixed Martial Arts. Es ist ein eher defensiver Stil des Kämpfens, weil sie ja nicht sehr groß ist, diese Szenen fand ich schon sehr interessant.
Können Sie sich nun wirklich so selbst verteidigen?
Wollen Sie mich herausfordern? Nein, im Ernst, viele dieser Szenen habe ich wegen der Spezialeffekte an Drähten hängend absolviert, da war mein Hauptproblem, mich richtig zu bewegen, während einem diese Drähte immer wieder zurückziehen, das war manchmal schon etwas frustrierend. Aber zum Glück hatten wir ein großartiges Stunt-Team, das mich immer wieder großartig unterstützt und aufgebaut hat. Wenn man solche Szenen dreht, muss man manchmal einfach darauf vertrauen, dass man die Sache schon schaffen wird, und dann klappt das auch. Ich werde meinen Hals vielleicht nie mehr wieder nach links drehen können, aber das war es wert!
Wie war die Zusammenarbeit mit Robert Downey?
Es war unglaublich aufregend. Alleine Robert bei der Arbeit zuzusehen, wie er seine Rolle entwickelt, war eine unglaubliche Erfahrung. Er ist ein großartiger Schauspieler, der prima improvisieren kann und dabei seine enorme Kreativität einzubringen versteht. Es macht einfach großen Spaß, ihm beim Spielen zuzusehen
War es schwierig, mit so einem Schauspieler mitzuhalten?
Ich weiß mich schon zu behaupten. Vor allem schätze ich es aber sehr, mit solchen Kollegen spielen zu können, mit all dieser Energie, die dabei frei wird. So etwas ist immer sehr spannend, und ich denke wir haben uns gegenseitig voranbringen können, im Lauf unserer Zusammenarbeit war sehr viel positive Energie mit dabei.
2010 Sian Edwards / The Interview People
Übersetzung aus dem Amerikanischen: Jörg Schiffauer
Übersetzung ~ Jörg Schiffauer
Iron Man 2
Comic-Verfilmung, USA 2010
Regie Jon Favreau
Drehbuch Justin Theroux
Kamera Matthew Libatique
Schnitt Dan Lebental, Richard Pearson
Musik John Debney
Production Design J. Michael Riva
Kostüm Mary Zophres
Mit Robert Downey Jr., Mickey Rourke, Scarlett Johansson, Gwyneth Paltrow, Samuel L. Jackson, Don Cheadle
Verleih Constantin Film, 124 Minuten


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