Rest in Peace

Faszinierender Dokumentarfilm über die unterschiedlichen Möglichkeiten, mit Leichen umzugehen.

 

I see dead people“, diese Tagline aus The Sixth Sense würde auch perfekt zum ersten Kinodokumentarfilm der Fernsehmacherin Andrea Morgenthaler passen. In acht Episoden entführt uns der Film auf eine kurzweilige Reise in die Welt der Toten. Der Anfang lullt noch ein wenig ein: Ein Bestattungsinstitut in den USA will mit Hilfe von speziellen Botox-Injektionen die Schönheit der Verstorbenen konservieren und dadurch die Trauer lindern. Der Meister dieser Profession hat schon mit acht Jahren an Fröschen geübt, die leider ihr Leben lassen mussten, damit er sie präparieren konnte. Die Toten schauen aus wie Puppen, man erwartet fast, dass sie jeden Moment aufstehen wie Schauspieler.

Selten sieht man echte Tote in Dokumentarfilmen, deshalb ist der Ausflug in die Verwesung im nächsten Kapitel für manche vielleicht schockierend. Der charismatische Kriminalbiologe Dr. Mark Benecke erklärt die Grundlagen der Evolution, nämlich, dass es beim Menschen wie bei allen Tieren nur um die Arterhaltung gehe und um die möglichst effiziente Anpassung an geänderte Umweltbedingungen. Der Tod gehöre ganz selbstverständlich zu diesem Kreislauf des Lebens dazu. Dann untersucht er mit seinen Assistentinnen scherzend verschieden große Maden, die aus den Genitalien eines gar nicht schön hergerichteten alten Mannes kriechen, um die Todeszeit festzustellen. Kontrastreich und abwechslungsreich zeigt uns die Regisseurin weitere Möglichkeiten, mit Leichen zu verfahren. In Schweden hat man eine Methode entwickelt, die Toten erfolgreich zu kompostieren, so dass fruchtbare Erde aus ihnen wird. In Deutschland sieht man, wie ein scharfes Messer wie durch Butter durch die Haut eines Verstorbenen fährt und ihm eine Knochenspende entnommen wird. Ein Wiener Künstler malt das farbenfrohe Innere der Toten, die Kryoniker frieren betuchte Klienten ein.

Acht Episoden sind für einen solchen Film möglicherweise zuviel; die Feuerbestattung in Nepal und das bunte Treiben auf einem Friedhof in Mexiko sollten wohl etwas Spiritualität in den Film bringen, dafür ist die Zeit aber zu knapp bemessen. Vielleicht wäre es besser gewesen, sich auf die vier von den Protagonisten und visuellen Eindrücken her stärksten Geschichten näher einzulassen. Der einzig wirklich störende Faktor ist der oft penetrante, ziemlich missglückte Soundteppich, der Stimmungen erzeugen soll, aber nur vom Wesentlichen – und das sind zweifellos die starken Bilder – ablenkt. Trotzdem bietet der Film einen faszinierenden Einblick in eine Welt, die uns alle betrifft und die doch nur wenige vor ihrem Tod kennen lernen wollen.



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Rest in Peace


Dokumentarfilm, Österreich 2010
Regie, Drehbuch
Andrea Morgenthaler
Kamera Enzo Brandner
Schnitt Klaus Hundsbichler
Musik Stefan Bernheimer
Verleih Filmladen, 90 Minuten

www.rest-in-peace.at




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