Red Lights

Gute Besetzung, wirre Geschichte, unbefriedigendes Ergebnis

 

Prof. Dr. Margaret Matheson und ihr junger Assistent Tom Buckley haben ihr Leben der Aufklärung gewidmet. Sie glauben nicht an Poltergeister und Gespenster, Spuk und Hexerei. Wann immer sie an einen Ort vermeintlich übernatürlichen Treibens gerufen werden, gehen sie mittels wissenschaftlichem Sachverstand und modernsten technischen Apparaturen der dubiosen Sache auf den Grund. Mit der Schärfe von Ockhams Rasiermesser durchdringt ihr nüchterner Blick das vorgefundene Blendwerk, zerrt hohlen Schwindel und finsteren Betrug ans kalte Licht der Vernunft. Ob da nun ein kleines Mädchen den Schrank wackeln lässt, weil es sich im neuen Haus nicht wohl fühlt, oder ob da ein ausgewachsener Wunderheiler per Funk Informationen über die Krankheiten seiner Zuschauer erhält – das Ergebnis ist immer das Gleiche: Es gibt nichts jenseits dessen, was unsere Schulweisheit sich erträumt.

Wäre da nur nicht der legendäre, blinde Spiritist und Para-
psychologe Simon Silver, der sich überraschend aus dem Ruhe-
stand zurückmeldet. Ihn des Falschspiels zu überführen, bedeutete die Krönung einer Wissenschaftler-Laufbahn, einen Coup, der Fördermittel mit sich brächte. Buckleys Ehrgeiz ist geweckt, doch Matheson rät ab. Sodann passiert allerhand, am Ende von Red Lights zieht Regisseur und Drehbuchautor Rodrigo Cortés ein Kaninchen aus dem Hut und verblüfft das Publikum. Doch keineswegs in einem guten Sinne.

Der Schluss dieses so genannten Mystery-Thrillers – der hier selbstverständlich nicht verraten wird – bestätigt jene dunkle Ahnung, die einen im Verlauf des Vorangegangenen mit zunehmender Penetranz beschlich: Mit Cortés – zuletzt verantwortlich für Buried (2010) – ist einer am Werk, der zwar die einzelnen Elemente des Geschehens spannungsreich in Szene zu setzen weiß, dem es aber nicht gelingt, daraus dann eine filmische Narration zusammenzufügen, die mehr bedeuten will als auch nur die Summe ihrer Teile.

Das man sich das trotzdem über weite Strecken recht gern ansieht, liegt an den Schauspielern: Sigourney Weaver als Matheson, die mit ihrer Respekt gebietenden Präsenz mal wieder alle in die Tasche steckt; Cillian Murphy als Buckley, der seinem inneren Hysteriker-Affen Zucker gibt; Robert De Niro als Silver, der nur darauf gewartet zu haben scheint, esoterisches Bramarbasieren mit subtiler Bedrohlichkeit zu kombinieren und daraus dann einen Charakter zu fügen, der, flüchtig und fest zugleich, eben jenes Unheimliche verkörpert, das im Rest des Films bloße Behauptung bleibt.



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Red Lights


Mystery-Thriller, Spanien/USA 2012
Regie, Drehbuch, Schnitt Rodrigo Cortés
Kamera Xavi Giménez
Musik Víctor Reyes
Production Design Antón Laguna
Kostüm Patricia Monné
Mit Sigourney Weaver, Cillian Murphy, Robert De Niro,
Elizabeth Olsen, Toby Jones, Craig Roberts, Joely Richardson
Verleih Thimfilm, 119 Minuten

www.thimfilm.at




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