Chico & Rita

Herzergreifende Lovestory vor dem Hintergrund der Musikszene in Havanna und New York

 

Sex, Rum und Rumba – zehn Jahre vor der Machtergreifung Fidel Castros und seiner Revolutionäre galt Havanna als Sündenbabel, wo Diktator Fulgencio Batista mit einer korrupten Clique regierte, US-Gangster das Glücksspiel organisierten, und Kuba als Ferieninsel für vergnügungssüchtige Amerikaner diente. Im New York jener Zeit war eine musikalische Revolution bereits auf dem Höhepunkt: Charlie Parker, Bud Powell und andere Virtuosen hatten mit ihren rasenden Bebop-Improvisationen das Ende der Swing-Ära eingeleitet. Dizzy Gillespie führte karibische Rhythmik in die Jazzmusik ein, als er 1947 den Perkussionisten Chano Pozo aus Kuba in seine Band aufnahm. Daraufhin kamen eine Reihe kubanischer Musiker in die USA, auch der Pianist Chico, Protagonist in diesem hinreißenden Animationsfilm.

Havanna und New York sind die Schauplätze, Musik und eine wechselvolle Liebesgeschichte die Themen. Auftritte von Dizzy, Ben Webster, Thelonious Monk, Tito Puente u.a. dürften nicht nur Jazz-Aficionados entzücken. Die Barsängerin Rita bezaubert mit erotisierender Stimme, Chico spielt gefühlvoll Klavier, beide entflammen spontan füreinander. Doch Chico hat bereits eine Geliebte. Der Macho und die heißblütige Latina zerstreiten sich, finden wieder zueinander. Nach Eifersuchtsszenen folgt Rita einem Ami nach New York, bald sucht auch Chico dort sein Glück, als Künstler und in der Liebe.

Die Animation von Chico & Rita hat nichts von der Plastizität und High-Tech-Finesse heutiger Disney- oder Pixar-Produktionen. Die Figuren und ihre Mimik sind grafisch einfach und flächig im Comic-Buch-Stil gestaltet. Trotzdem gelingt dem Regie-Trio und ihrem Team das Kunststück, eine vergangene Ära lebendig werden zu lassen, den Zuschauer emotional anzusprechen, so dass er Mitgefühl für die unglücklich Liebenden empfindet. Die Bilder entwickeln eine eigentümliche Poesie, nicht zuletzt wegen des vom Pianisten und Komponisten Bebo Valdéz arrangierten Soundtracks. 1918 in Havanna geboren, begann Valdéz seine Karriere in den vierziger Jahren. Um Tänze im Stil jener Zeit darzustellen, filmte man alte Leute, die bis heute in Havanna rüstig das Tanzbein schwingen, als Grundlage für die Animation der Zeichentrick Tänzer. Für die schön gemalten Straßenkulissen dienten Archivfotos der einstigen Stadtverwaltung als Vorlage. Chico & Rita erhielt neben anderen Auszeichnungen und einer Oscar-Nominierung den Europäischen Filmpreis 2011 für die beste Animation.



Kein Kommentar vorhanden.



Animation, Spanien/Großbritannien 2010


Regie Fernando Trueba, Javier Mariscal, Tono Errando
Drehbuch
Fernando Trueba, Ignacio Martinez
de Pisón
Schnitt Arnau Quiles
Musik
Bebo Valdés
Verleih
Polyfilm, 93 Minuten

www.chicoundrita-film.de



Tags


Social Bookmarks