Love is all you need

Dogmödie vor schöner Landschaftskulisse

 

Wenn ein Film mit dem bereits hundertfach in Liebeskomödien erklungenen Dean-Martin-Hit „That’s Amore“ beginnt, ahnt man bereits, dass Subtilität hier keine Priorität ist. Und tatsächlich kümmert sich die renommierte Regisseurin Susanne Bier, die 2011 für das Drama In einer besseren Welt (Haevnen) den Oscar für den besten fremdsprachigen Film entgegennehmen konnte, in ihrem neuen Werk stärker um die sprichwörtlich „großen Gefühle“ als um psychologische Finesse. Die Handlung ist schnell etabliert: Der in Kopenhagen ansässige Brite Philip (Pierce Brosnan) lebt seit dem tragischen Tod seiner Frau nur für die Arbeit (er ist Manager eines Großhandels für Obst und Gemüse) und fertigt seine Mitmenschen – darunter seine Sekretärin, die ihm zum Geburtstag einen Tangokurs schenkt – eisig ab. Friseurin Ida (Trine Dyrholm) hat gerade ihren Brustkrebs überwunden und führt eine unglückliche Ehe mit Leif, der ungeniert eine Affäre mit einer jungen Arbeitskollegin eingeht. In Philips Villa im malerischen Sorrento treffen derweil Philips Sohn Patrick (Sebastian Jessen) und Idas Tocher Astrid (Molly Blixt Egelind) Hochzeitsvorbereitungen. Als die Verwandten dort ankommen, brechen Lebenslügen und Wunden auf: Das Hochzeitspaar in spe hinterfragt die Beziehung, während Philip und Astrid nach anfänglicher Abneigung zarte Bande knüpfen ...

Mit Handkamera und der Konzentration auf wenige Schauplätze kommt Love Is All You Need formal wie ein Dogma-Film daher (Bier inszenierte mit Open Hearts und Brothers – Zwischen Brüdern bereits zwei Werke dieser Gattung), wirkt inhaltlich aber eher wie ein Tränendrücker à la Hollywood – ein Hybrid aus Arthouse, romantischer Komödie und Drama. Auch die meisten Figuren liegen irgendwo dazwischen; besonders Idas Ehemann und seine Geliebte vom Typus blonde Tussi kommen über den Status von Karikaturen kaum hinaus. Während die Wandlung Philips vom Workaholic zum Romantiker nicht wirklich nachvollziehbar ist, hat der Film mit Ida, die ihre Glatze unter einer Perücke versteckt und sich lange nicht eingestehen will, wie unglücklich sie ist, eine für diese Art Film relativ ungewöhnliche Hauptfigur. Wenn man den Film als modernes Märchen interpretiert, das bloß unterhalten will, wird man sich an der eigenwilligen Mischung der Zutaten wohl nicht allzu sehr stoßen; Freunde romantischer Komödien sollten also durchaus auf ihre Kosten kommen. Alle anderen können sich immerhin an den schönen Landschaftsaufnahmen erfreuen.



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Love Is All You Need / Den skaldede frisør


Tragikomödie, Dänemark/Schweden/Italien/Frankreich/
Deutschland 2012

Regie Susanne Bier
Drehbuch Anders Thomas Jensen
Kamera Morten Søborg
Schnitt Pernille Bech Christensen, Morten Egholm
Musik Johan Söderqvist
Production Design Peter Grant
Kostüm Signe Sejlund
Mit Pierce Brosnan, Trine Dyrholm, Kim Bodnia, Paprika Steen
Verleih Filmladen, 112 Minuten


www.filmladen.at

 



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