Kleiner Mann, was nun?

Ein geschrumpfter Matt Damon kommt in Alexander Paynes „Downsizing“ groß heraus.

 

Seit er fünfzig ist, macht Alexander Payne Filme, wie es ihm gefällt. Nebraska (2013) zum Beispiel, in dem Bruce Dern und Will Forte als entfremdetes Vater-Sohn-Gespann einem vermeintlichen Millionengewinn entgegenfahren, ist gegen den ursprünglichen Willen des Studios in Schwarzweiß gefilmt, während The Descendants (2011) mit einem Voice-over von George Clooney in die Handlung einführt, das alsbald komplett verstummt, obwohl der Regisseur selbst nur zu gut weiß, dass er damit gegen eine der Goldenen Regeln des Kinos verstößt.

Von althergebrachten Cineasten-Weisheiten ließ Payne sich freilich noch nie aus der Ruhe bringen. Im Gegenteil. Seine Filme sind auf eine eigenwillige Art genüsslich inszeniert, ohne dabei jemals selbstgefällig oder aufdringlich zu wirken. Ihre besondere Kraft ziehen sie aus den tiefschürfenden Drehbüchern und starken schauspielerischen Leistungen, die ihnen stets zu Grunde liegen. Für Downsizing, mit dem Ende August die Filmfestspiele von Venedig eröffnet wurden, hat der mittlerweile 56-jährige Regisseur allerdings etwas tiefer als bisher in die Trickkiste gegriffen und stellt mit seiner ambitionierten Science-Fiction-Satire diesmal nicht nur die Prinzipien des Filmemachens auf den Kopf, sondern gleich die ganze Welt.

 

Size matters

Dabei beginnt alles, wie so oft, noch ganz harmlos in Downsizing: In einem Forschungsinstitut im norwegischen Bergen bastelt der eifrige Wissenschaftler Dr. Jorgen Asbjørnsen (Rolf Lassgård) seit Längerem schon an einer Methode, mit der Menschen auf einen Bruchteil ihrer Körpergröße geschrumpft werden können, um damit des stetig wachsenden Problems der Überbevölkerung Herr zu werden, das bald auch die Lebensqualität in der westlichen Hemisphäre zu gefährden droht. Und mehr noch: Sämtliche Probleme, die der Mensch verursacht, vom Klimawandel bis zur Ernährungs- und Energiekrise, ließen sich auf diese Weise beheben. Ganz zu schweigen von diversen finanziellen Vorteilen, denn ein Leben im Kleinen verspricht Luxus pur, also kurzum: maximalen Gewinn für alle Beteiligten. Wie erfolgreich sein Experiment ist, demonstriert Asbjørnsen selbst am eindrucksvollsten, als er sich und seine Familie wenige Jahre später auf einem Kongress zum ersten Mal in Miniaturgröße der Weltöffentlichkeit präsentiert. Und es dauert nicht lange, bis aus dem scheinbar gewagten Unterfangen ein erstrebenswertes Lebenskonzept für die komplette Menschheit wird, frei nach dem Motto: Schrumpfe bzw. werde geschrumpft, und das Glück ist dein!

Allein diese aberwitzige Prämisse von Downsizing ist so verblüffend wie charmant, und obendrein derart clever inszeniert, dass man im Grunde zunächst gar nicht anders kann, als den Zwergenmenschen zu verfallen, die Payne dem Zuseher hier mit großer Liebe zum Detail vorführt. Fasziniert schaut man auf die Däumlinge, lauscht ihren Geschichten und lässt sich von den Experten die mühsamen Einzelheiten des Schrumpfungsverfahrens erklären. Aber damit nicht genug. Denn wie immer bei Payne steckt hinter der verspielten Fassade noch eine ganz andere, weiterreichende, mitunter Moral dekonstruierende und nicht selten schmerzliche Ebene – und an dieser Stelle kommt Matt Damon ins Spiel.

Damon spielt den ewigen Verlierer Paul Safranek, der schon in der normalen Welt regelmäßig von den äußeren Umständen in die Knie gezwungen wird. Dabei hätte aus ihm eigentlich ein erfolgreicher Mediziner werden können, wäre nicht die Krankheit seiner Mutter dazwischengekommen, die ihn zunächst seine Freiheit und schließlich die Karriere kosten sollte. Geblieben ist ein Job als Ergotherapeut im Schlachthof, den Paul mit aufrichtiger Inbrunst ausübt, gekoppelt an ein bescheidenes Mittelstandsleben in Omaha, Nebraska, das er mit seiner Frau Audrey (Kristen Wiig) teilt, die ihrerseits jedoch davon träumt, das Familienhaus der Safraneks endlich gegen ein neues, schickes Eigenheim tauschen zu können. Als das Ehepaar erfährt, dass auch Freunde von ihnen sich bereits haben verkleinern lassen, um im Miniaturformat ein erfüllteres, sorgenfreies und vor allem luxuriöses Dasein zu führen, beschließen auch sie, den Schritt zu wagen und als Zwerge nach „Leisureland“ in den Wohlstand zu ziehen. Doch als Paul nach der aufwendigen Schrumpfungsprozedur aufwacht, ist Audrey plötzlich nicht mehr an seiner Seite und auch sonst alles anders als geplant.

 

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Downsizing


Science Fiction/Drama/Komödie, USA 2017
Regie Alexander Payne
Drehbuch Alexander Payne, Jim Taylor
Kamera Phedon Papamichael
Schnitt Kevin Tent
Musik Rolfe Kent
Production Design Stefania Cella
Kostüm John Jackson
Mit Matt Damon, Kristen Wiig, Christoph Waltz, Udo Kier, Hong Chau, Jason Sudeikis, Laura Dern, Rolf Lassgård
Verleih Constantin Film, 135 Minuten
Kinostart 18. Jänner 2018


 



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