Django Unchained

Tarantinos blutig-unterhaltsame Aufarbeitung der Sklaverei mit den Mitteln des Spaghetti-Westerns

 

Mehr als drei Jahre nach seinem Meisterwerk Inglourious Basterds legt Quentin Tarantino wieder einen Film vor, der einen düsteren Abschnitt der Historie auf gekonnte Weise durch den Reißwolf der Fiktion dreht. War es im Vorgängerfilm der Zweite Weltkrieg, dem der Kultregisseur einen alternativen Geschichtsverlauf verpasste, ist es in Django Unchained nun die Sklaverei, die dem Tarantino-Treatment unterzogen wird. Die Handlung setzt im Süden der USA ein, zwei Jahre vor Ausbruch des Bürgerkriegs: Der Sklave Django (Jamie Foxx) wird vom deutschstämmigen Kopfgeldjäger und Zahnarzt Dr. King Schultz befreit. Django soll Schutz bei der Ergreifung der verbrecherischen Brittle-Brüder unterstützen, im Gegenzug will dieser bei der Befreiung von Djangos Frau Broomhilda (Kerry Washington) behilflich sein, die auf der Plantage des grausamen Dandys Calvin Candie (Leonardo DiCaprio), der sich an brutalen Sklavenkämpfen erfreut, gefangen gehalten wird.  Django erweist sich als Naturtalent mit dem Revolver, und bald pflastern die Leichen unzähliger Verbrecher den Weg des Duos. In der Höhle des Löwen angekommen, haben Django und Schultz aber nicht nur in Candie, sondern vor allem in dessen Sklaven Stephen (Samuel L. Jackson) einen gefährlichen Gegner ...

In Sachen Filmzitate ist Tarantino so großzügig wie eh und je – bereits in der ersten Szene erklingt das eingängige Titellied aus Sergio Corbuccis Django (1966). Dazu kommen, bis in kleine Details hinein, Anspielungen auf dutzende andere Werke, von Corbuccis Il Mercenario aus dem Jahr 1968 (achten Sie auf die Blume, die DiCaprio am Revers trägt) bis zum berüchtigten Sklavenepos Mandingo (Richard Fleischer, 1975). Und auch Ur-Django Franco Nero ist als lebendes Zitat dabei. Der Soundtrack gibt sich großteils anachronistisch (die Songs reichen von Hip-Hop bis Johnny Cash, aber natürlich darf auch Morricone nicht fehlen), und Kameramann Robert Richardson gelingen prächtige Bilder zwischen Westernepos und Grindhouse. Die wie üblich coolen Tarantino-Dialoge werden von einem hervorragenden Ensemble zum Leben erweckt: Foxx, in seiner besten Rolle seit langer Zeit, verleiht Django die stoische Aura des Rächers. Waltz ist hervorragend als vielschichtiger Schultz, der sich nach außen hin manieriert gibt, im Inneren jedoch ein ernsthafter, tiefsinniger Mensch ist. Trotz seines blutigen Handwerks steht Schultz für Humanismus und Bildungsbürgertum; in einer Szene vergleicht er Django und Broomhilda gar mit Siegfried und Brünhilde aus der Nibelungensage. DiCaprio hat seinen Spaß mit  Candie und schmiert, dass es eine Freude ist – ohne allerdings der Figur, die sich gelegentlich als Phrenologe versucht, die Gefährlichkeit zu nehmen. Die hinterhältigste (und in den USA kontrovers diskutierte) Figur ist der von Jackson verkörperte, verabscheuungswürdige „Onkel Tom“ Stephen, der sich als grausamer erweist als sein weißer Herr. Jackson gelingt dabei die Gratwanderung zwischen Überzeichnung und Bedrohlichkeit. Das Finale explodiert im wahrsten Sinne des Wortes in einer Rachephantasie, auch dies eine deutliche Parallele zu Inglourious Basterds. Die Vielschichtigkeit und Tiefe dieses Films vermag Django Unchained zwar nicht ganz zu erreichen, doch ist es Tarantino abermals gelungen, ein ernsthaftes Thema in einen durch und durch unterhaltsamen Film zu kleiden. A bloody good time.



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Django Unchained


Western, USA 2012
Regie, Drehbuch Quentin Tarantino

Kamera Robert Richardson
Schnitt
Fred Raskin
Production Design
J. Michael Riva
Kostüm
Sharen Davis
Mit
Jamie Foxx, Christoph Waltz, Kerry Washington, Samuel L. Jackson, Don Johnson, Jonah Hill, Franco Nero, Amber Tamblyn

Verleih Sony Pictures, 165 Minuten

www.djangounchained.de



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