Gefühlt Mitte Zwanzig / While We’re Young

Noah Baumbachs amüsante Generationen-Farce lässt Woody Allen alt aussehen.

 

Am liebsten möchte man ihn an den Schultern packen und einmal so richtig durchschütteln. Denn Dokumentarfilmer Josh (Ben Stiller) bastelt seit einer halben Ewigkeit an seinem zweiten Werk, das er, womit sich seine Frau Cornelia (Naomi Watts) längst abgefunden zu haben scheint, wohl nie zu Ende bringen wird, zumal sein Schwiegervater (Charles Grodin), selbst ein gefeierter Mann der Kunst, die vorliegende sechseinhalbstündige Rohfassung für mindestens sieben Stunden zu lang hält. Davon abgesehen haben es sich Josh und Cornelia ganz gut eingerichtet in ihrer Zweisamkeit. Denn Nachwuchs gibt es keinen, was den beiden ganz recht ist, in ihrem überschaubaren Freundeskreis jedoch zunehmend zum Problem wird. Da kommen ihnen Jamie (Adam Driver) und Darby (Amanda Seyfried) geradezu gelegen, denn das Hipster-Pärchen scheint genau die Leere zu füllen, die sich in ihr allzu routiniertes Leben eingeschlichen hat. Allerdings hat der bitter-süße Hauch von Jugend, den ihnen das Abhängen mit den quirligen Youngsters vermittelt, durchaus seinen Preis, und wenn Josh sich plötzlich im Schatten des aufstrebenden Jungregisseurs Jamie wiederfindet, scheint der Groschen allmählich auch bei ihm zu fallen.

Generationskonflikte aller Art dominieren Noah Baumbachs siebenten Spielfilm, wie auch sein filmisches Schaffen insgesamt. Genauer gesagt wirkt While We’re Young wie der dritte und zwingende Teil einer Trilogie, die mit Greenberg (2010) begann und in dem äußert charmanten Nachfolger Frances Ha (2012) ihren dramatischen Höhepunkt fand. Indem er nun beide Krisengenerationen, die der Mittvierziger und die der Mittzwanziger zusammenführt, gelingt es Baumbach, ein Feuerwerk an Energien, Emotionen und Befindlichkeiten freizusetzen, das in seiner ernüchternden Trivialität so amüsant ist wie brutal. Der bewusst indizierte Retro-Effekt mitsamt den geschliffenen Screwball-Dialogen und schwärmerischen Nostalgie-Krämpfen tut sein Übriges, um den Referenzen gerecht zu werden, auf die sich der Film ungeniert bezieht.

Überhaupt scheint der Vergleich mit dem jungen Woody Allen, mit dem man Baumbach schon des öfteren konfrontiert hat, hier seine endgültige Berechtigung zu erhalten. Denn neben dem kurzweiligen Blick auf die eskalierenden Beziehungskonstellationen schärft die Geschichte vor allem das Bewusstsein für Baumbachs eigene Neurosen als Regisseur. Das kann zuweilen störend wirken und vom Herz des Films ablenken. Dennoch ist While We’re Young vielleicht sein bislang zugänglichstes Werk. Man darf gespannt sein, wohin ihn diese gewonnene Reife noch führen wird.

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Tragikomödie, USA 2014


Regie, Drehbuch Noah Baumbach
Kamera
Sam Levy
Schnitt
Jennifer Lame
Musik
James Murphy
Production Design
Adam Stockhausen
Kostüm
Ann Roth

Mit
Ben Stiller, Naomi Watts,
Amanda Seyfried, Adam Driver,

Charles Grodin, Adam Horovitz,
Brady Corbet, Dree Hemingway
Verleih
Constantin Film, 97 Minuten

www.gefuehlt-mitte-zwanzig.de



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