ray | Grace Jones: Bloodlight and Bami

Grace Jones: Bloodlight and Bami

Spielerisches und schillerndes Porträt von Musikerin, Model, Schauspielerin, Ikone und Paradiesvogel Grace Jones

 

Studioaufnahmen, Konzertmitschnitte, Fotoshootings, offizielle Auftritte und private Begegnungen: mit Familienmitgliedern während einer Reise ins Geburtsland Jamaica; morgens in einem Pariser Hotelzimmer nach offenbar durchzechter Nacht; am Telefon mit dem Management streitend („sometimes you have to be a highflyin’ bitch!“); den Widerstand einer Auster brechend („I wish my pussy was like this“); vor dem Spiegel das Gesicht für den jeweiligen Auftritt entwerfend. All das und mehr bietet Sophie Fiennes in ihrem Künstlerinnenporträt Grace Jones: Bloodlight and Bami, und man sollte meinen, dass das Publikum sich im Anschluss auskennt mit Leben und Werk der Stil-Ikone. Tut es aber nicht, weil Fiennes, die in ihrem Film auf chronologischen Background und sonstige einordnende Kommentare verzichtet, das veritable Kunststück gelingt, zugleich ganz nah dran zu sein und dabei dennoch außen vor zu bleiben.
Vielmehr, es ist sehr wahrscheinlich Madame Jones selbst, die Fiennes und uns um den Finger wickelt beziehungsweise aufs Glatteis führt respektive hinters Licht. Auf dass wir in dessen Schein sodann die zahlreichen Projektionen, Spiegelungen, Identitätsfragmente der unwahrscheinlichen Diva erblicken, die glitzernd reflektieren und sekundenkurz aufblitzen wie in einer Discokugel. Oder wie der Laserstrahl, der die blaue Melone, die Grace Jones während einer ihrer Darbietungen trägt, zu knatterndem Funkeln bringt.

Darbietungen, ja, denn dass Jones einfach nur Lieder singt, lässt sich beim besten Willen nicht behaupten. Eher schon werden auf ihrer Bühne heidnische Rituale zelebriert, wird Gottheiten gehuldigt und werden Dämonen ausgetrieben. Von einer gnädigen Domina, die nicht selten an ein Raubtier erinnert und die in extravaganten Kostümen und auf High Heels ihre Anhänger mit dem Drumstick zur Räson bringt, während sie selbst sich dem Genuss ihrer Verehrung anheim gibt. Grace Jones, und das macht dieser so angenehm zurückhaltende Film, der seinem energiegewaltigen Gegenstand alle Geheimnisse lässt, aufs Schönste deutlich, ist ein Vollprofi in der Arena, eine musikalische Bildkünstlerin, die hart daran arbeitet, sich selbst als Schauwert zu schaffen.
Und da Fiennes den Songs und der Interaktion der Performerin mit ihrem Publikum viel Raum gibt, bekommt man einen guten Eindruck davon, welche Leidenschaft und welche Disziplin in dieser Arbeit stecken. Schwerer vorstellbar ist hingegen, dass Grace Jones im Mai dieses Jahres siebzig Jahre alt wird. Sie wird es hoffentlich gebührend krachen lassen.

 

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Dokumentarfilm, Großbritannien/Irland/Deutschland 2017


Regie, Schnitt Sophie Fiennes
Kamera Remko Schnorr
Musik
Grace Jones, Ivor Guest
Verleih Polyfilm, 115 Minuten
Kinostart 24. Jänner

 

 



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