Nachrichten aus aller Welt

Das 26. Internationale Filmfestival Innsbruck

 

Zeitgleich mit Cannes ging am Sonntag die 26. Auflage des Internationalen Filmfestivals Innsbruck (IFFI) mit der Preisverleihung zu Ende. Größer könnte der Kontrast zwischen diesen beiden Events kaum sein: Geht es an der ultrahektischen Croisette doch vornehmlich ums Business und um mediale Aufmerksamkeit, stehen im gemütlichen Innsbruck die Filme und ihre Macherinnen und Macher eindeutig im Zentrum des Geschehens.

Das Publikum kommt mit den zahlreichen internationalen Gästen im Foyer des Leokinos ganz zwanglos ins Gespräch, auch Oscar-Preisträger wie Jiri Menzel (Scharf beobachtete Züge, Ich habe den englischen König bedient) haben keinerlei Berührungsängste und stehen nicht nur bei den Publikumsgesprächen im Saal, sondern auch beim anschließenden Glas Wein oder Bier gerne Rede und Antwort. Das von Helmut Groschup und seinen Kuratoren kundig ausgewählte Programm konzentriert  sich wie immer auf sonst eher vernachlässigte Regionen des Weltkinos. Eine feine Auswahl (nicht nur) von afrikanischen, latein- und mittelamerikanischen und asiatischen Produktionen zeigt, dass man auch dort oft mit geringen Mitteln, aber viel Herzblut, herausragende Filme für ein neugieriges Publikum herstellen kann. Das IFFI hat den Anspruch, nicht nur künstlerisch wertvolle Filme zu präsentieren, sondern auch weltweit politisch relevante Themen vorzustellen, die in den europäischen Medien oft unterrepräsentiert sind. Der mit fünftausend Euro dotierte Spielfilm-Hauptpreis ging an The Unseen von Perivi Katjavivi, in dem an Hand von drei kunstvoll miteinander verwobenen Schicksalen ein facettenreiches Panorama der heutigen Gesellschaft Namibias gezeigt wird. Über dreitausend Euro durfte sich Mehdi Sahebi freuen, der in Mirr kambodschanische Bauern bei ihrem Protest gegen den Landraub zugunsten der Vergrößerung internationaler Kautschukplantagen mit der Kamera begleitet. Das Publikum wiederum konnte sich an den eindrucksvollen Bildern des Überlebenskampfes eines argentinischen Schafhirten nicht sattsehen und verlieh den Audience Award an Arreo von Nestor Tato Moreno.

Ein Highlight des Festivals war sicher auch die ausverkaufte Österreich-Premiere des in Innsbruck und Umgebung gedrehten Debütfilms Home Is Here von Tereza Kotyk. Anna Åström und Stipe Erceg brillieren als entfremdetes Vielleicht -Paar, das sich nur durch Nachrichten auf Zetteln langsam näher kommt. Brillant fotografiert (Kamera: Astrid Heubrandtner-Verschuur) und atmosphärisch dicht, wenn auch mit dramaturgischen Schwächen, entwirft die Kunstkuratorin Kotyk ein Universum, in dem Fakt und Phantasie, Einsamkeit und Sehnsucht, Stahl und Holz eine melancholische Allianz eingehen. Auch der Cellist und Filmkomponist Lukas Lauermann kennt sich bestens aus im Umgang mit Kontrasten. Sein elektronisch verstärktes Instrument erzeugte bei einem Konzert am Eröffnungstag ganz allein Klangwelten voll Trauer, Schönheit und Präzision, die das Publikum perfekt auf ein gelungenes Festival einstimmten.

www.iffi.at

 

 



Kein Kommentar vorhanden.




Tags


Social Bookmarks