Sie nannten ihn Spencer

Dokumentarisches Roadmovie über zwei Hardcore-Bud-Spencer-Fans, die auf dem Weg zu ihrem Idol seine früheren Mitstreiter treffen.

 

Das Konzept dieses Dokumentarfilms von Fans, mit Fans, für Fans ist so simpel wie sympathisch und passt damit hervorragend zum Grundton der Bud Spencer/Terence Hill-Filme, die in den Siebzigern bis Mitte der achtziger die Kinokassen mit flotten Sprüchen und kinderzimmertauglicher Gewalt klingeln ließen: Zwei unterschiedliche Typen machen sich auf die Reise, um ihr großes Idol aus Kindheitstagen persönlich zu treffen und erleben dabei allerlei Abenteuer, während sie unterwegs in halb Europa mit Schauspielerkollegen, Stuntmen und Musikern über die Entstehungsgeschichte der geliebten Actionkomödien philosophieren. Dabei erfährt der geneigte Zuschauer natürlich auch einiges über den vielseitigen neapolitanischen Hünen Carlo Pedersoli, wie Bud Spencer mit bürgerlichem Namen hieß, von seinen Anfängen als Schwimmchampion und Jusstudent, über seine Vorlieben am Set (Essen und Improvisation) bis zu seinen zahllosen Hobbys (Fliegen, Erfinden).

Sogar Terence Hill, der selten Interviewfragen über seinen alten Kumpel beantwortet, berichtet in einer interessanten Mischung aus Wehmut und Distanz von der Grundverschiedenheit ihrer Charaktere (methodisch und diszipliniert vs. chaotisch und faul, zumindest während der Dreharbeiten),  die wohl auch stark zum unglaublichen Erfolg des Duos (In Deutschland waren von den Top-20-Filmen in einem Jahrzehnt zehn Spencer/Hill-Produktionen) beigetragen hat. Auch die zwei Protagonisten dieses Doku Road Movies sind ziemlich unterschiedlich, der Durchschnittstyp Marcus ist ein manischer Sammler, der immer alles kontrollieren will, während der blinde Jorgo sich eher dankbar für jede Erfahrung durchs Leben treiben lässt.

Das Problem ist, dass zwischen diesen Alltagsfiguren keine Chemie, keine Reibung entsteht, vielleicht auch, weil sie sich andauernd nur in Dialogen aus Spencer/Hill-Filmen unterhalten, die sie natürlich großteils auswendig können. Das wirkt bisweilen fast rührend absurd, wenn zwei nicht charismatische (sorry, Jungs) Männer des Volkes ungelenk Kampfszenen nachspielen und einander aus dem Zusammenhang gerissene Zitate wie Bälle zuwerfen. Da wird einem schnell klar, wie wichtig die Präsenz für einen Schauspieler ist, denn wenn diese fehlt, wirken die gleichen Sätze nur dümmlich und nicht im mindesten amüsant, wobei sich beim Humor des Originals auch die Geister scheiden. Immerhin werden die beiden Protagonisten nicht vorgeführt, Ironie ist dem Regisseur, der selber auch ein Riesenfan ist, völlig fremd, was beim Zuschauen für Nicht-Fans auf die Dauer etwas ermüdend ist, wenn z.B. immer wieder die filmgeschichtliche Bedeutung des Duos durch Filmkritiker erklärt wird. Trotzdem punktet diese offensichtliche Herzensangelegenheit, die mit geringen Fördermitteln und auch durch Crowdfunding finanziert wurde, gerade in den konventionellen Interviewszenen mit den alten Mistreitern durch eine Fülle von amüsanten und interessanten Details über eine Epoche, in der das gekonnte Verhauen von Bösen – viele von ihnen rücksichtslose Kapitalisten -  durch charmante Außenseiter noch unblutig und beinahe unschuldig war, zumindest wenn man sich beim eher misslungenen Off-Kommentar kurz die Ohren zuhält.

 

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Dokumentarfilm, Österreich/Deutschland 2017
Regie Karl-Martin Pold
Drehbuch Karl-Martin Pold, Michael Gizicki
Kamera Jens Fischer, Serafin Spitzer
Musik Oliver Onions u.a.
Mit Marcus Zölch, Jorgos Papasoglou, Terence Hill, Bud Spencer
Verleih Thimfilm, 122 Minuten
Kinostart 27. Juli

 



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