Star Wars: The Last Jedi / Star Wars: Die letzten Jedi

Niemand ist eine Insel.

 

Weihnachten naht – und somit auch der dritte Star Wars-Film aus dem Hause Disney. Mittlerweile hat man sich schon fast daran gewöhnt, dass Schöpfer George Lucas, der 2012 die Rechte am Franchise für vier Milliarden Dollar verkauft hatte, nicht mehr dabei ist, doch das von ihm entworfene Universum mit seinem abgenutzten Sci-Fi-Look und den unzähligen Alien-Völkern ist nach wie vor prägend. Hatte J. J. Abrams mit The Force Awakens (2015) einen auf der Nostalgiewelle reitenden Greatest-Hits-Film abgeliefert und Gareth Edwards mit dem vergleichsweise düsteren Rogue One (2016) ein Prequel zur Ur-Trilogie inszeniert, so hat sich der mit Independent-Filmen bekannt gewordene Rian Johnson mit The Last Jedi nun getraut, ein wenig aus dem Schatten der Lucas-Filme herauszutreten und die Dinge weiterzutreiben (Falls Sie Ihr Gedächtnis auffrischen möchten, finden Sie hier die Besprechung von The Force Awakens: http://ray-magazin.at/news/star-wars-das-erwachen-der-macht-star-wars-the-force-awakens).

In Johnsons zweieinhalbstündigem Beitrag zur Reihe tut sich einiges, und so werden Rey (Daisy Ridley), Poe Dameron (Oscar Isaac) und Finn (John Boyega) aufgesplittet: Während die mit Jedi-Kräften ausgestattete Rey versucht, den zurückgezogen auf einer Insel lebenden Jedi Luke Skywalker (Mark Hamill) zum Kampf gegen das neue Imperium The First Order zu bewegen, ist Kampfpilot Dameron mit der letzten, schwer in Bedrängnis geratenen Rebellenflotte unterwegs. Der ehemalige Stromtrooper Finn sucht derweil auf einem Glücksspielplaneten nach einem Hacker, der ebendiese Flotte mit seinen Künsten retten soll. Letztgenanntes Segment ist dabei trotz einer visuell amüsanten Casinoszene das schwächste des Films, da es zu offensichtlich nach MacGuffin aussieht und insgesamt nur wenig zur Handlung beiträgt. Heißsporn Dameron dabei zuzusehen, wie er sich mit seinen Vorgesetzten Holdo (Laura Dern) und Leia (die im Vorjahr verstorbene Carrie Fisher in einer würdigen Abschiedsvorstellung, die jetzt natürlich doppelt melancholisch wirkt) anlegt, gibt ein bisschen mehr her: Ungeduld gegen Strategie und Hoffnung lautet hier die Devise.

Am spannendsten ist aber die Ebene mit Rey, Luke und Kylo Ren (Adam Driver): Zunächst ist Skywalkers Insel, auf dem die alten Jedi-Schriften gehütet werden, ein Ort, der für das Auge einiges zu bieten hat. Da gibt es Alien-Nonnen, die von Bosch inspiriert sein könnten, riesige Meereswesen und süße Knuddelvögel, die wohl auch den Spielzeugverkauf ankurbeln werden. Der gelungenste Spezialeffekt ist aber die schöne Einsiedler-Performance, die Mark Hamill hinlegt – wie er mit seinen Verfehlungen beim einstigen Training Kylo Rens hadert, ist möglicherweise die beste schauspielerische Leistung seiner Karriere. Hamills „grumpy old man“ macht fast schon Harrison Ford – dessen Han Solo hier nicht mehr dabei ist – Konkurrenz.

Während ihres Aufenthalts beim ihrem neuen Mentor, der ihr auch neue Blicke auf die Macht eröffnet, hat Rey immer wieder geistigen Kontakt mit Kylo Ren, der sich der dunklen Seite und dem Dienst unter dem neuen Imperator Snoke (Andy Serkis) verschrieb. Eine Konfrontation mit dem Bösen ist letztlich unvermeidlich – wobei dieses Böse hier zunehmend Grautöne erhält: Kylo legt seine Sicht der Dinge dar und fordert Rey auf, sich ihm anzuschließen. Während sie das Gute in ihm sieht, erblickt er in ihr das Potenzial zur dunklen Seite der Macht. Wer hier wen auf seine Seite zieht, könnte in Zukunft noch spannend werden. Ridley, in The Force Awakens noch Hauptdarstellerin, hat hier deutlich weniger zu tun, dafür gelingt es Driver, die Verletzlichkeit des „Monsters“ Ren offenzulegen.

An Schauwerten mangelt es auch abseits der Insel nicht, zu visuellen Highlights gehören ein Lichtschwertkampf in den Gemächern Snokes, die an das Bühnenbild einer expressionistischen Oper erinnern, und eine Schlacht auf einem Salzplaneten, auf dem die Gefährte rote Spuren hinterlassen, wenn sie das darunterliegende Eisenerz freilegen. Apropos Schlacht: Obwohl die Reihe Star Wars heißt, gibt es vielleicht eine Spur zu viel „war“. Weltraumschlachten gehören natürlich dazu, aber in ihrer Häufigkeit sind sie hier ein klein wenig ermüdend – auch wenn sie durch so manch heldenmütige Aufopferung für das Gute emotional aufgewertet werden. Apropos Emotionen: Der 85-jährige Komponist John Williams, ohne den das Gesamterlebnis Star Wars nicht denkbar wäre, zeigt sich hier in Topform.

Rian Johnson hat das Rad (natürlich) nicht völlig neu erfunden – Parallelen zu The Empire Strikes Back und Return of the Jedi sind offensichtlich, der Oberböse Snoke ist nicht besonders faszinierend, und die Ebene mit Finn zieht sich. Doch solche Schwächen macht der Regisseur, der auch das Drehbuch verfasste, durch Auftritte von alten Bekannten, Humor und eine epische Skywalker-Szene wett. Das Thema Hoffnung, das schon in den vergangenen Filmen eine zentrale Rolle spielte, ist hier besonders prominent vertreten. Skywalker erscheint als Funke ebendieser Hoffnung, die den Widerstand gegen das Böse nährt. Zudem gibt es eine Reflexion über seinen schon erdrückenden Legendenstatus, die man auf einer Metaebene auch als Anspielung auf den Kultstatus sehen kann, den Star Wars genießt.

The Last Jedi unterhält und wird die Fans sicherlich im Großen und Ganzen zufriedenstellen. Es wäre dennoch schön, wenn die kommenden Filme – von denen Disney zweifellos noch viele machen wird – noch stärker eigene Wege beschreiten und das Star Wars-Universum tatsächlich erweitern, statt nur geschickt mit den bekannten Elementen zu jonglieren.

 

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Science-Fiction / Fantasy, USA 2017


Regie, Drehbuch Rian Johnson
Kamera Steve Yedlin
Schnitt Bob Ducsay
Musik John Williams
Production Design Rick Heinrichs
Kostüm Michael Kaplan
Mit Mark Hamill, Daisy Ridley, John Boyega, Adam Driver, Oscar Isaac, Carrie Fisher, Andy Serkis, Domhnall Gleeson, Benicio del Toro
Verleih Disney, 152 Minuten
Kinostart 14. Dezember

 

 



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