The Equalizer 2

Denzel Washington gibt erneut den Beschützer der Witwen und Waisen.

 

The Equalizer unter der Regie von Antoine Fuqua und mit Denzel Washington in der Hauptrolle gehörte zu den Überraschungserfolgen des Jahres 2014. Washington reihte sich damit, ein wenig unerwartet, ein unter die alternden Schauspieler, die gerne nochmals den Action-Helden machen, und er tat es durchaus mit Stil und Würde, sieht man von der etwas übertriebenen Gewalttätigkeit des Films ab. Nach der nicht besonders prominenten Achtziger-Jahre-Fernsehserie gleichen Namens schrieb Richard Wenk ein solides Drehbuch. Der ehemalige CIA-Agent und Witwer Robert McCall, der einer nicht näher definierten Spezialeinheit angehörte – es ging ums Töten, so viel konnte man sich zusammenreimen –, hat schlaflose Nächte. Diese überbrückt er mit der Lektüre von hundert Büchern, „die man gelesen haben muss“, damit, in einem nächtlichen Diner zu sitzen und seinen selbst mitgebrachten Tee aufbrühen zu lassen, und – ja – mit dem brutalen Kampf gegen russische Gangster, die ein offenbar minderjähriges Mädchen (Chloë Grace Moretz) zur Prostitution zwingen und auch sonst übel malträtieren. Dieses Motiv verdankte sich, wie man unschwer erkennen konnte, Martin Scorseses Taxi Driver, in dem Robert De Niro Jodie Foster zu schützen versucht.

Wie auch immer: Denzel Washington, der in seiner Karriere noch nie ein Sequel gedreht hatte, fand offenbar so viel Gefallen an der Rolle, dass er sich, gemeinsam mit seinem Kumpel Fuqua, an die Umsetzung eines zweiten Teiles machte. Richard Wenk schrieb wieder das Drehbuch. Der Film eröffnet mit einer recht abstrusen Sequenz in einem türkischen Zug, in dem der auf Muslim getrimmte McCall ein Mädchen aus Schurkenhänden befreit und nach Boston zu seiner Mutter zurückbringt. Das ist aber nicht der Hauptstrang des Films; dieser involviert einen Mord und vorgetäuschten Selbstmord in Brüssel und schließlich die Tötung von McCalls ehemaliger Kollegin Susan Plummer (Melissa Leo), ebenfalls in Brüssel, scheinbar durchgeführt von jugendlichen Einbrechern. Doch McCall, der seiner Schlaflosigkeit diesmal durch Taxifahren (!) in einer Art Uber-Company begegnet, stellt schon bald fest, dass die Kids nur vorgeschoben wurden, und wenig später steht er auch schon dem wahren Feind gegenüber. So weit, so gut, aber das ist längst nicht alles, was der tapfere Mann in diesem Sequel zu erledigen hat: Er kümmert sich zudem auch noch um einen künstlerisch begabten Nachbarsjungen, damit der nicht in die Drogenszene abrutscht, und er betreut einen seiner Fahrgäste, einen Holocaust-Überlebenden, der auf der Suche nach einem Bild ist, das ihm einst gehörte.

Man kann ohne Übertreibung sagen, dass das viel zu viel Plot ist für einen doch eher schlichten Selbstjustiz-Thriller. Dementsprechend hektisch springt der Film zwischen Boston, Washington und Brüssel hin und her, und selbst das Grande Finale in einem sturmgepeitschten Küstenort leidet unter einer gewissen Kurzatmigkeit. Zudem hat der Oberbösewicht (Pedro Pascal mit seinem treuen Hundeblick ist in der Rolle nicht wirklich überzeugend – da war Marton Csokas als Russen-Mafioso in Teil 1 schon ein anderes Kaliber) nur drei Kumpane mitgebracht, und das ist für einen Mann wie McCall, der noch dazu Heimvorteil hat, weil er einst in dem Ort lebte, entschieden zu wenig. So gesehen ist das Gefühl des „Das war’s schon?“ leider das vorherrschende, und man hofft irgendwie, dass der 64-jährige Washington dem Beispiel von Liam Neeson folgen wird, der ja angekündigt hat, seine Action-Karriere mit 65 zu beenden. Für einen Schauspieler dieses Kalibers sollte es wirklich lohnendere Rollen geben.


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The Equalizer 2


Action / Thriller, USA 2018
Regie Antoine Fuqua 
Drehbuch Richard Wenk nach der Fernsehserie von Michael Sloan und Richard Lindheim 
Kamera Oliver Wood 
Schnitt Conrad Buff 
Sound Design David Esparza 
Musik Harry Gregson-Williams 
Production Design Naomi Shohan 
Kostüm Jenny Gering
Mit Denzel Washington, Pedro Pascal, Ashton Sanders, Orson Bean, Melissa Leo, Bill Pullman
Verleih Sony Pictures, 121 Minuten
Kinostart 16. August

 

 



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