The Other Side of Hope / Toivon tuolla puolen

Finland Fusion von Aki Kaurismäki

 

Ein Dutzend reduziert agierender Stammschauspieler, eine extra Prise lakonisch-trockener Humor und viel zu viel Tabakrauch – das wären die Basiszutaten für jeden herkömmlichen Aki-Kaurismäki-Film. Der finnische Auteur erzählt mit betont humanistischer Manier. Seine konsequente Aufmerksamkeit gilt jenen Individuen, die sonst ein Schattendasein fristen: wortkargen Helden, die Außenseiter oder Menschen am Rande der Gesellschaft sind, jedoch stets in solidarischer Verbundenheit zueinander stehen.

Bereits 2011 veranschaulichte Kaurismäki, wie wahre Zivilcourage aussehen könnte, als sich die Wege eines Schuhputzers und eines Flüchtlingsjungen aus Afrika in dem titelgebenden, nordfranzösischen Le Havre gedrehten Auftakt zum ersten Teil seiner geplanten Trilogie über Hafenstädte kreuzten. Dieser sozialkritische Tenor findet sich in der Fortsetzung, die zurück in heimische Gewässer führt, wieder.

Vor dem weiterhin aktuellen Hintergrund der Flüchtlingskrise wird das Schicksal des Syrers Khaled (ergreifend gespielt von Sherwan Haji) geschildert, der wegen des Kriegs seine Heimatstadt Aleppo verlassen musste und, versteckt an Bord eines Frachtschiffs, in Helsinki strandet. Die Schwester, seine einzig noch lebende Angehörige, ist seither verschwunden. Als ihm in einer Szene, die nicht hartherziger, zynischer und bürokratisch-verbohrter wirken könnte, das Asyl verwehrt wird, erscheint seine Situation schon aussichtslos. Jener Handlungsstrang fusioniert knapp zur Hälfte des Films mit einem parallel erzählten: Wikström (Sakari Kuosmanens insgesamt elfte Zusammenarbeit mit Kaurismäki), der stoisch-schweigend die trinkende Ehefrau und gleichzeitig das alte Leben hinter sich gelassen, bei einer tollkühnen Pokerpartie mit mehr Glück als Verstand sein Startkapital erspielt und als Restaurantbesitzer einen Neustart unternommen hat, trifft auf Khaled. Er reicht ihm die berühmte helfende Hand, und aus der Geste der Hilfsbereitschaft keimt neue Hoffnung.

Protagonisten wie bei Kaurismäki existieren in einer Gegenutopie, wo die Alltagsrealität deprimierend, die Stimmung melancholisch und Arbeit ein sinnstiftendes Element ist, das die Figuren vorantreibt auf ihrer Suche nach einem Platz in der Welt. Den gesteht er ihnen zu – so darf selbst der Hund in der Küche bleiben. Eine präzise Bildsprache, gemächliche Kameraeinstellungen von Timo Salminen, diegetischer Musikeinsatz mittels (inzwischen) Oldie-Rockbands sowie die antiquierte Ausstattung lassen Kaurismäkis Geschichten wie stilisierte (Wunsch-)Welten anmuten. Man besucht sie gerne, weil ihnen viel Menschlichkeit innewohnt.

 

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Tragikomödie, Finnland/Deutschland 2017


Regie, Drehbuch Aki Kaurismäki 
Kamera Timo Salminen 
Schnitt Samu Heikkilä 
Production Design Markku Pätilä  
Kostüm Tiina Kaukanen
Mit Sakari Kuosmanen, Sherwan Haji, Tommi Korpela, Kati Outinen, Ville Virtanen, Ilkka Koivula, Kaija Pakarinen
Verleih Stadtkino Wien, 98 Minuten
Kinostart 24. Februar

 



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